Ich suche jemanden, der einen deutschen Text schreiben kann
5. Mai 2022 / Deutsch S. 1/4
5. Mai 2022 / Deutsch S. 9/24
Thema 2: Generation Smartphone Aufgabe 1
Smartphone-Kritik
Verfassen Sie eine Textanalyse.
Lesen Sie den Kommentar Das Smartphone ist an allem schuld, Ausrufezeichen! von Sascha Lobo von der Website des deutschen Nachrichtenmagazins Der Spiegel vom 24. Oktober 2018 (Text- beilage 1).
Verfassen Sie nun die Textanalyse und bearbeiten Sie dabei die folgenden Arbeitsaufträge:
■ Benennen Sie wesentliche Kritikpunkte an der Smartphone-Nutzung Jugendlicher, auf die sich Sascha Lobo bezieht.
■ Untersuchen Sie die Argumentation, mit der der Autor dieser Kritik begegnet. ■ Analysieren Sie die sprachliche Gestaltung des Textes. ■ Erschließen Sie mögliche Intentionen des Autors.
Schreiben Sie zwischen 540 und 660 Wörter. Markieren Sie Absätze mittels Leerzeilen.
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Aufgabe 1 / Textbeilage 1
Medienkritik
Das Smartphone ist an allem schuld, Ausrufezeichen! Die deutsche Smartphone-Kritik ist vergiftet. „Was macht das mit unseren Kindern?“ kann nicht ernsthaft die Frage sein. Und „früher war alles besser“ nicht die Antwort.
Von Sascha Lobo
Zum zehnten Geburtstag des Betriebssystems Android ist das Smartphone allgegenwärtig, aber auch: schlimm. Schlimm, schlimm, schlimm, wenn man der aktuellen Debatte folgt. Die Smartphone-Kritik in Deutsch land hat ein Kunststück ge schafft – sie ist noch stumpfer, fehlbesorgter und pathologisie- render als die Internet-Kritik. Das Smartphone ist praktisch an allem schuld, in seiner geradezu toxischen Verbindung mit der Jugend, Ausrufezeichen! „Smart- phone“ dient dabei vor allem als Chiffre für Kritik an Lebens- praxis und Verhaltensweisen jün- gerer Generationen.
Es ist so einfach, das Smartphone zu kritisieren. Geht immer. Die- ses Muster folgt der deutschen Digitalkrankheit, nämlich der absurden Hardware-Fixierung im Ingenieursland Deutschland, der naiven Blindheit für die soft- warebasierte Vielfalt von Vernet- zung und Virtualität. Da ist das Gerät, das kann man sehen und anfassen, also muss man nicht weitersuchen.
Kinder werden als Opfer festge- legt
Smartphone-Kritik ist keines- falls generell unklug oder sinnlos. Aber wenn man sie am Verhal- ten jüngerer Generationen fest- macht, dann liegt bereits darin ein irreführender Fokus. „Aber was macht das mit unseren Kin- dern?“ – das erzeugt als Frage- stellung automatisch besorgnis- fähige Ergebnisse. Die schlichte Gegenprobe: „Was macht der Tauchsport mit unseren Kin- dern?“ – auch hier wird man kaum anders als mit negativen Szenarien antworten können. Denn durch die passivische Per- spektive dieser Standardfrage der Kulturkritik legt man die Kin- der als Opfer fest, denen etwas geschieht. Entweder gegen ihren Willen oder ohne ihr Wissen, also sind sie schwach oder doof oder beides. Aktive Perspektiven werden ausgeblendet oder höchs- tens anekdotisch eingestreut.
Wenn man sich mit einer sol- chen Fragestellung auf den Weg macht, kommen natürlich Sucht und psychische Probleme aller Art heraus, Depressionen, Suizid gedanken, Schlafmangel
sowie Narzissmus. „Was macht das mit unseren Kindern?“ ist ein Framing, das nur ins Negative reicht.
Smartphone-Kritik muss Kapi- talismus- und letztlich Gesell- schaftskritik sein, alles andere ist Augenwischerei zulasten der digitalsüchtigen jungen Leute, die strukturell zu dämlich sind, um zu begreifen, was mit ihnen geschieht. An zwei aktuellen Stücken im SPIEGEL und im „Zeit Magazin“ lässt sich meiner Ansicht nach erkennen, was in der deutschen Smartphone-Kri- tik schiefläuft. Der SPIEGEL schrieb kürzlich in einer Titel- story bereits in der Einleitung die obige Frage „Was macht das mit ihnen?“, mit den Jugendlichen. Und das „Zeit Magazin“ schließt seinen Artikel mit maximaler Generationen-Selbstgerechtig- keit, die jungen Leute würden vielleicht irgendwann zur Ver- nunft kommen und „mit einem Schmunzeln auf die Ver irrungen ihrer Jugendzeit zurück blicken können“. Leider jedoch nur „im besten Fall“ – der große Rest bleibt doof, da hilft selbst der beste Weisemacher Alter nicht, haha.
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Aufgabe 1 / Textbeilage 1
Medienkritik
Das Smartphone ist an allem schuld, Ausrufezeichen! Die deutsche Smartphone-Kritik ist vergiftet. „Was macht das mit unseren Kindern?“ kann nicht ernsthaft die Frage sein. Und „früher war alles besser“ nicht die Antwort.
Von Sascha Lobo
Zum zehnten Geburtstag des Betriebssystems Android ist das Smartphone allgegenwärtig, aber auch: schlimm. Schlimm, schlimm, schlimm, wenn man der aktuellen Debatte folgt. Die Smartphone-Kritik in Deutsch land hat ein Kunststück ge schafft – sie ist noch stumpfer, fehlbesorgter und pathologisie- render als die Internet-Kritik. Das Smartphone ist praktisch an allem schuld, in seiner geradezu toxischen Verbindung mit der Jugend, Ausrufezeichen! „Smart- phone“ dient dabei vor allem als Chiffre für Kritik an Lebens- praxis und Verhaltensweisen jün- gerer Generationen.
Es ist so einfach, das Smartphone zu kritisieren. Geht immer. Die- ses Muster folgt der deutschen Digitalkrankheit, nämlich der absurden Hardware-Fixierung im Ingenieursland Deutschland, der naiven Blindheit für die soft- warebasierte Vielfalt von Vernet- zung und Virtualität. Da ist das Gerät, das kann man sehen und anfassen, also muss man nicht weitersuchen.
Kinder werden als Opfer festge- legt
Smartphone-Kritik ist keines- falls generell unklug oder sinnlos. Aber wenn man sie am Verhal- ten jüngerer Generationen fest- macht, dann liegt bereits darin ein irreführender Fokus. „Aber was macht das mit unseren Kin- dern?“ – das erzeugt als Frage- stellung automatisch besorgnis- fähige Ergebnisse. Die schlichte Gegenprobe: „Was macht der Tauchsport mit unseren Kin- dern?“ – auch hier wird man kaum anders als mit negativen Szenarien antworten können. Denn durch die passivische Per- spektive dieser Standardfrage der Kulturkritik legt man die Kin- der als Opfer fest, denen etwas geschieht. Entweder gegen ihren Willen oder ohne ihr Wissen, also sind sie schwach oder doof oder beides. Aktive Perspektiven werden ausgeblendet oder höchs- tens anekdotisch eingestreut.
Wenn man sich mit einer sol- chen Fragestellung auf den Weg macht, kommen natürlich Sucht und psychische Probleme aller Art heraus, Depressionen, Suizid gedanken, Schlafmangel
sowie Narzissmus. „Was macht das mit unseren Kindern?“ ist ein Framing, das nur ins Negative reicht.
Smartphone-Kritik muss Kapi- talismus- und letztlich Gesell- schaftskritik sein, alles andere ist Augenwischerei zulasten der digitalsüchtigen jungen Leute, die strukturell zu dämlich sind, um zu begreifen, was mit ihnen geschieht. An zwei aktuellen Stücken im SPIEGEL und im „Zeit Magazin“ lässt sich meiner Ansicht nach erkennen, was in der deutschen Smartphone-Kri- tik schiefläuft. Der SPIEGEL schrieb kürzlich in einer Titel- story bereits in der Einleitung die obige Frage „Was macht das mit ihnen?“, mit den Jugendlichen. Und das „Zeit Magazin“ schließt seinen Artikel mit maximaler Generationen-Selbstgerechtig- keit, die jungen Leute würden vielleicht irgendwann zur Ver- nunft kommen und „mit einem Schmunzeln auf die Ver irrungen ihrer Jugendzeit zurück blicken können“. Leider jedoch nur „im besten Fall“ – der große Rest bleibt doof, da hilft selbst der beste Weisemacher Alter nicht, haha.
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Damals hatten wir noch unsere Traditionstelefonnummern
Allerdings ist das ein passen- des Ende für einen ohnehin verstörenden Anwurf. Denn das „Zeit Magazin“ strickt der Jugend ernsthaft einen Vor- wurf daraus, dass sie nicht so heftig aufbegehren würde wie die offenbar famos aufsässi- gen Generationen zuvor: „Frü- her rüttelten Teenager an den Nerven ihrer Eltern und den Grundfesten der Gesellschaft. Heute dringt statt Punkrock nur noch digitales Flackern aus den Kinderzimmern.“ Und: „Statt wütendem Türenknallen und ohrenbetäubendem Lärm dringt aus den Kinderzimmern nur gespenstische Stille.“ Die zwingende Quintessenz: Die heutigen jungen Leute können nichts richtig machen, nicht einmal anständig nerven. Was für eine kohorteneitle, genera- tionengestrige Ichichich-Pers- pektive.
Im SPIEGEL-Artikel wird gleich zu Beginn eine techno- logische Fehlperspektive deut- lich, als es um eine junge Frau geht, die ihre Freundinnen errei- chen möchte: „Deren Nummern hat sie nicht im Kopf, warum auch? Sie sind ja in ihrem Smart- phone gespeichert.“ Die unter- schwellige Skepsis in diesem Satz offenbart, wie vergiftet die Smartphone-Kritik durch völ- lig veraltete Technologiebilder in den Köpfen der Nicht-mehr- ganz-so-Jungen ist.
Telefonnummern auswendig zu kennen, war keine Leistung, son- dern eine notwendige Krücke für eine lächerlich unflexible Technologie namens Telefon. Wenn man im 20. Jahrhundert mit einer Person sprechen wollte, musste man eine Wohnung anru- fen, ja wirklich. Und leider hatte man nur die Möglichkeit, dafür einen willkürlich festgelegten erratischen, zu sonst nichts tau- genden Code in eine weitgehend unprogrammierbare Maschine einzugeben. Damals hatten wir noch unsere Traditionstelefon- nummern, das waren Zeiten!
Wenn man der Jugend vorwirft, sich nicht länger dieser alter- tümlichen Technik zu unterwer- fen, wirft man ihr eigentlich vor, nicht zu sein wie man selbst. Ins- besondere dort, wo es veralteten, heute irrelevanten Gewohnhei- ten entspricht. Ja, Urgroßvater kannte noch die Zügelsignale, mit denen man Pferde lenkte, warum wendest du sie nicht in Deinem Elektroautomobil an, Marie?
Auf das, was kommt, sind die Jungen besser vorbereitet
Auch die Klage, die jungen Leute würden heute nichts mehr unmittelbar erleben, sondern immer nur fotografierend mit ihren Smartphones, gehört zu den fahlsten Klagen der Gegen- wart. Zum Ersten wird so noch der letzte eigene Erlebnisschrott zum epochalen Seinsmerkmal hochgejazzt, weißt Du noch,
Margot, als ich damals nach der zweiten Piña Colada in der Dominikanischen Republik den Tisch umgeworfen habe, ich war schon ein echter Kerl, nicht wahr. Zum Zweiten wirft man der Jugend Inszenierung vor in einer Welt, die seit Jahrzehnten marktkonform durchinszeniert ist bis ins verdammte Detail, weil sie schon immer Insze- nierung belohnt. Zum Dritten liegt im Teilen von Erfahrungen, Aktionen, Gedanken, Gefühlen, Selbst beschreibungen – in der zwischenmenschlichen Kommu- nikation – ein Wert an sich, auch wenn sie unbeteiligten Betrach- tern merkwürdig erscheint.
Wenn überhaupt eine Personen- gruppe die vielfältigen Komple- xitäten und Zumutungen der heutigen Welt bewältigen kön- nen wird – dann doch diejenigen, die mit dem ständigen Rück- kanal aufgewachsen sind. Die in ihrem netzgestählten Handeln zu jedem Zeitpunkt ein Publi- kum und dessen Reaktionen mit- denken. Die genau aus diesem Grund intellektuell für die kom- menden Schwierigkeiten besser gewappnet sein werden als die Älteren.
Wir überlassen den jüngeren Generationen eine Welt, rand- voll mit Nationalisten und Nazis, Populisten und islamistischen Terroristen, von Klimawandel und Umweltschäden nicht zu reden – aber das Smartphone ist schuld an den zunehmen- den Depressionen der Jugend.
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Quelle: https://www.spiegel.de/netzwelt/web/das-smartphone-ist-also-an-allem-schuld-kolumne-von-sascha-lobo-a-1234833.html [08.11.2021].
Die heute Älteren haben in den 1980ern ein komplettes Jahr- zehnt dem Tanz ums Goldene Ich gewidmet, aber die jungen Leute sind Narzissten, weil sie mit dem Teufelsgerät Selfies ver- schicken. [...]
Smartphones als Kristallisations- punkt des Kapitalismus
[...] Ich möchte eine Perspek- tive vorschlagen, die mir viel
näher am tatsächlichen Gesche- hen erscheint: Das Smartphone ist der Kristallisationspunkt des heutigen Kapitalismus und damit der heutigen Gesellschaft. In den meisten Fällen ist das Verhalten jüngerer Generationen schlicht eine Reaktion auf die Welt, die wir ihnen vorgesetzt haben. Und meistens sogar eine clevere.
Alles, was wir im Smartphone zu sehen glauben, ist in Wahrheit
das Produkt unseres eigenen jahrzehntelangen Schaffens. Im Guten wie im Schlechten. Was das Smartphone wirklich zum vielkritisierten Objekt macht, kann man natürlich im Smart- phone selbst erkennen. Man muss es bloß ausschalten und ganz genau in die schwarze spie- gelnde Fläche hineinschauen. n
INFOBOX
Sascha Lobo (geb. 1975): deutscher Autor und Kolumnist
erratisch: hier zufällig
Framing: Einbettung eines Themas in einen subjektiven Deutungsrahmen zum Zweck der Beeinflussung
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